Mitglieder der SPD Gemeinderatsfraktion und des Ortsvereins Dielheim besuchten die bildungspolitische Veranstaltung „Die Schule soll im Ort bleiben“ in Mühlhausen.
Mitglieder der SPD Gemeinderatsfraktion und des Ortsvereins Dielheim besuchten die bildungspolitische Veranstaltung „Die Schule soll im Ort bleiben“ in Mühlhausen.
„Unsere Gesellschaft erlebt einen erneuten Wandel von der Industriegesellschaft hin zu einer Wissensgesellschaft, weshalb ‚lebenslanges Lernen’ zu einer Grundvoraussetzung wird. Deshalb muss sich dies in der Schulstruktur niederschlagen.“ Mit diesen Worten begrüßte Andreas Wirth die zahlreich erschienen Bürgerinnen und Bürger sowie Mitglieder benachbarter Ortsvereine, welche sich an diesem Abend im Bürgerhaus in Mühlhausen eingefunden hatten, um sich über die heiß diskutierten Pläne der konservativen Landesregierung aus CDU und FDP zur Umwandlung der Hauptschule in Werkrealschulen zu informieren. Als Gäste durfte er hierbei Dr. Lars Castellucci, Dr. Frank Mentrup sowie gegen Ende der Veranstaltung auch Bürgermeister Karl Klein MdL begrüßen.
Der SPD Bundestagskandidat Dr. Lars Castellucci stellte in einer Anekdote zu Anfang dar, dass es für die Erstklässler nicht hilfreich sei, ihnen bei der Einschulung lediglich das„Ende ihrer Kindheit mitzugeben“. So sprächen viele vom „Ernst des Lebens“ welcher nun beginne, als stattdessen von „neuen Chancen sowie die Möglichkeit unbekanntes zu entdecken“. Castellucci weiter: „Wir bedürfen für Veränderungen im Bildungssystem einer Gemeinschaftsanstrengung“, denn es interessiere die Eltern wenig, wie die entsprechenden Zuständigkeiten auf welchen Ebenen verteilt seien. So legte Castellucci besonders großen Wert darauf, dass man nicht allein auf Abschlüsse, sondern auch auf Anschlüsse achte.
Der bildungspolitische Sprecher der SPD Landtagsfraktion Dr. Frank Mentrup wies zunächst auf den engen und bedeutenden Zusammenhang von Bildungsfragen und SPD hin. So sei die Sozialdemokratie schließlich aus Arbeiterbildungsvereinen hervorgegangen, weshalb das Thema Bildung eines der ureigensten der Sozialdemokratie darstelle. Mit dem neuen Werkrealschulkonzept der konservativen Landesregierung lasse man den Schülerinnen und Schülern nicht die Fördermöglichkeiten angedeihen, wie sie sie eigentlich benötigten. Dass das Konzept noch nicht ausgereift sei machte Mentrup insbesondere an zwei Punkten transparent: Zum Einen würden sich die Grundschulempfehlungen nicht verändern und die Empfehlung der Werkrealschule werde auf gleicher Ebene mit der der Hauptschule ausgesprochen. Zum Anderen sei beabsichtigt, dass Werkrealschüler an zwei Tagen in der Woche die Berufsfachschule besuchen sollten. Der Sinn dieser Entscheidung liege darin, dass die Schüler ein Jahr der Berufsfachschule überspringen, um sofort in das zweite Jahr – der insgesamt zwei Jahre dauernden Schulausbildung – einsteigen zu können. Unabhängig davon, dass es eine völlig unrealistische logistische Leistung sei, die Schüler in Berufsfachschulen zu befördern, welche ja meist in großen Berufsschulzentren angesiedelt seien, berge der Abschluss der neuen Werkrealschule im Vergleich mit dem der Werkrealschule eine weitere Uneinheitlichkeit. So habe man den Werkrealschulabschluss wiederum nicht mit der Realschule äquivalent gemacht, da man durch das Bestehen des Realschulabschlusses bereits den Berufsfachschulabschluss mit in der Tasche habe!
Mentrup bot als Lösungsmöglichkeit dieser Misere, um letztlich auch die kleinen (Haupt-/Werkreal-)Schulstandorte zu sichern, an, dass bereist ein längeres gemeinsames Lernen in der Grundschule (6 Jahre) helfe Standorte zu erhalten. Ferner sprach sich der bildungspolitische Sprecher der Landtagsfraktion für das Konzept der Gemeinschafts- oder Regionalschulen aus, welches inzwischen sehr erfolgreich in Schleswig-Holstein praktiziert werde. Hierbei würden Haupt- und Realschüler gemeinsam bis zur zehnten Klasse unterrichtet. Durch eine weitere Verstärkung der Schulsozialarbeit und dem Ausbau zu Ganztagsschulen könnten letztlich jedem Kind die bestmöglichsten Entwicklungs- und Förderchancen eingeräumt werden. Indem man die (zwangsläufig) nachgeschobenen Angebote wie z.B. das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) zurückfahre, würden dadurch neue Mittel frei, um die Förderaktivität und –qualität noch in der Sekundarstufe I zu erhöhen.
Für Mühlhausen kam Mentrup zu dem Schluss, dass eine Realschule der beste Weg sei, um einen weiterführenden Schulstandort zu erhalten und zu sichern. Jedoch könne der Werkrealschulzweig in Mühlhausen dann nicht mehr weiterverfolgt werden.
Noch rechtzeitig vor Ende der Veranstaltung konnte der Mühlhäuser Bürgermeister und Landtagsabgeordnete Karl Klein (CDU) hinzukommen, der zugleich seine Bemühungen um eine Realschule erläuterte. Hierbei sah er durchaus Realisierungschancen, da die Realschule in Wiesloch überfüllt sei und genügend Schüler aus den umliegenden Gemeinden eine notwendige Dreizügigkeit sichere. Den Bestand der Realschulen in Östringen und Bad Schönborn sieht er dahingegen keinesfalls bedroht. Allerdings seien bisher lediglich Vorgespräche durchgeführt und noch keine Antragstellung erfolgt. Das Kultusministerium prüfe zunächst den Bedarf.
Stellungnahme der Dielheimer SPD
Mentrup äußerte während der Veranstaltung auch klar, dass die Werkrealschule – bei aller Kritik – immer noch besser als nur eine Hauptschule sei. Auch die Dielheimer SPD hält daher am Werkrealschulzug an der Leimbachtalschule fest und fordert diesen in Dielheim, nach evtl. erfolgreichen Bemühungen in Mühlhausen um eine Realschule, fest zu installieren sowie weiter auszubauen. Das Engagement der Schule in Kommunikation mit regionalen Betrieben zu stehen hält die SPD für äußerst löblich. Eine Stärkung der Leimbachtalschule und eine Gewährleistung zum Erhalt des Schulstandortes sehen wir in einem verstärkten Engagement. Daher möchten wir die bereits bestehenden „ergänzenden Unterrichtsangebote“ fördern, in eine gebundene Ganztagsschule integrieren und mit weiterem Personal stärken. Auch der Verein „Offene Jugendarbeit e.V.“ leistet bereits seit einigen Jahren großartige Arbeit in der intensiven Hausaufgabenhilfe. Der Verein gleicht damit wiederum Versäumnisse des Landes aus, das im Bereich einer sinnvollen Nachmittagsbetreuung nur geringes Engagement zeigt. Auch diese Arbeit ist durch ein stimmig ausgearbeitetes Ganztagsschulkonzept, für die Leimbachtalschule welche zukünftig als mit dem neuen Werkrealschulkonzept arbeitet, zu fördern und zu stärken. Hierbei sehen wir die Werkrealschule als Ansatzpunkt, um darüber hinaus eine Regionalschule an unserem Schulstandort zu verwirklichen, welche tatsächlich auch unseren Schulstandort langfristig erhält.
Für den SPD-Ortsverein Dielheim: Holger Schröder