GLindemann, Bauer, Hütt-Berger, HirschwitzWird die Sonne in Balzfeld bald zu Strom gemacht?
Auf Einladung des SPD-Ortsvereins Dielheim referierte am 21. Februar der unabhängige Solarberater Ferdinand Glindemann im „Adler“ in Balzfeld über erneuerbare Energieformen und stellte dabei insbesondere Möglichkeiten zur Nutzung von Solartechnik vor. Der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Dietrich Hirschwitz begrüßte die zahlreich erschienenen Interessierten und betonte die Wichtigkeit der Unabhängigkeit von anderen Ländern auf dem Energiesektor. Dies könne bis zur vollständigen Autarkie führen, wie es das Bioenergiedorf in Jühnde bereits umgesetzt habe und lud zu einer Informationsfahrt dorthin ein. Mit dem dortigen SPD-Bürgermeister habe er schon Kontakt aufgenommen und eine Einladung erhalten. Interessierte können sich in dieses Formular gerne eintragen. Die Atomkraft sei, so Hirschwitz, keine Alternative, da die Frage der Endlagerung von radioaktiven Müll nicht geklärt sei und Uran aus anderen Ländern bezogen werden müsse. Außerdem seien Atomkraftwerke potentielle Ziele für Terroranschläge, was angesichts des 11. September ein nicht zu vernachlässigender Aspekt sei. Die Pläne von Ministerpräsident Oettinger die Laufzeiten der Atomkraftwerke in Baden-Württemberg zu verlängern lehnte Hirschwitz in diesem Zusammenhang ausdrücklich ab und verwies auf die bereits laufende Unterschriftenkampagne gegen diese Pläne.

Photovoltaik contra globale Erderwärmung
Ferdinand Glindemann, der von Haus aus Elektroinstallateur, Diplom-Ingenieur und bis zu seinem Ruhestand Berufsschullehrer war, stellte einige Projekte vor, die er bereits betreut oder selbst aufgebaut hat. 1992 war er bei Inbetriebnahme seiner eigenen privaten Solaranlage noch Pionier und kaufmännisch gesehen Idealist. Aber wollte schon damals seinen Beitrag leisten, an der Behebung des globalen Problems des CO2-Anstieges und der damit verbundenen Erderwärmung. Mittlerweile habe er die Errichtung der Solaranlagen auf dem Schuldach, dem Gemeindehaus und dem Clubhaus in Horrenberg begleitet und freue sich, dass dort ein Umdenken in Gang gebracht wurde und der Ortsteil sogar in die Solarbundesliga aufgenommen werden konnte. „Vielleicht entsteht so ein Bewusstsein auch in Balzfeld“, forderte Glindemann und bot gleichzeitig seine Hilfestellungen an, so wie er es auch für die Neubaugebiete in Dielheim kostenlos angeboten habe. Nur die Nachfrage sei dort bislang recht gering ausgefallen.
Als eine Möglichkeit der Nutzung erneuerbarer Energien stellte Glindemann die Sonnenergie vor. „Um den weltweiten Energiebedarf für ein Jahr zu decken, müsste man theoretisch nur 20 Minuten der Sonneneinstrahlung in Energie umsetzen“, faszinierte Glindemann die Zuhörer mit dieser Relation. Schon jetzt würde mit der indirekten Sonnenenergienutzung wie Windkraft viel Strom erzeugt. Doch andere Länder wie beispielsweise Dänemark würden das viel konsequenter nutzen, und zahlreiche Off-Shore-Anlagen in Küstennähe errichten.
Aber auch die direkte Nutzung von Sonnenergie durch Photovoltaikanlagen sei mittlerweile nicht mehr allein etwas für Öko-Idealisten, sondern sei auch kaufmännisch durchaus sinnvoll. „Für die Einspeisung des selbst erzeugten Stromes bekommt man auf 20 Jahre gesetzlich garantiert 54,53 Cent/ kWh vergütet, was über dem marktüblichen Preisen für den Stromverbrauch liegt“, rechnete Glindemann vor. Die Solartechnik auf dem Dach ist also durchaus auch als rentable Geldanlage zu sehen und obendrein ein Gewinn für die Umwelt.

Wirkner: „Einstellungen müssen sich ändern“
Der SPD-Landtagskandidat Peter Wirkner lobte den Vortrag als einen Beitrag, Einstellungen zu ändern und forderte, dass die Wissenschaft verstärkt innovative Energietechniken erforschen solle. „Wenn wir nur einen Teil der Forschungen im Militärbereich hierfür einsetzen würden, wären wir schon einen sehr großen Schritt weiter“, so Wirkner.
Ferdinand Glindemann ergänzte, dass der Bereich der erneuerbare Energien bereits ein wichtiger Arbeitsmarkt und Wirtschaftsfaktor sei. Dass der Markt wachse konnte auch Uwe Bauer von Bauer Umwelt- und Energietechnik, der beispielsweise die Solaranlage auf dem Horrenberger Schuldach installiert hat, bestätigen. „Die Akzeptanz für alternative Energieformen wächst angesichts der steigenden Energiepreise. Die staatlichen Förderprogramme machen für viele die Umrüstung am eigenen Haus wirtschaftlich rentabel“, so Bauer.
Alexander Lucas