„Regionale Wirtschaft stärken!“ – im Nachgang zur Veranstaltung

Veröffentlicht am 06.10.2026 in Veranstaltungen

Nachdem die weniger ertragreiche Diskussion um die Kürzungsvorschläge der CDU-Fraktion in der letzten Berichterstattung im Zentrum stand, soll nun wieder der Blick auf das Thema Transformation der regionalen Wirtschaft und Stärkung des Wirtschaftsraumes gerichtet werden. Denn eines ist sicher: Alle offiziellen Stellen melden einerseits sehr hohe Insolvenzanmeldungen und den Abbau von Arbeitsplätzen und andererseits eine sehr hohe Zahl von Neugründungen. Genau dies war auch das Thema der Veranstaltung „Regionale Wirtschaft stärken!“ vom 18. September im Bürgerhaus.

Bei dieser Auftaktveranstaltung zur Stärkung des Wirtschaftsraumes wurden von Praktikern und Wissenschaftlern unterschiedliche Typen von Gründerzentren vorgestellt, die teilweise seit Jahrzehnten sich sehr dynamisch entwickeln und damit auch Anregungen für unsere Heimatregion vermitteln können. Der frühere Stadtkämmerer von Karlsruhe erläuterte allein 12 derartige Einrichtungen aus der Fächerstadt, dabei wurde jeweils deutlich, dass sie in Konzept und Größe anzupassen seien auch an die Gegebenheiten des ländlichen Raums und den Bedingungen kleinerer Städte. Darauf verweisen auch Publikationen der Bundesministerien und besonderer Initiativen (z.B. STARTUP-MONITOR, Deutschland startet).

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Den Initiatoren der Veranstaltung ging es darum entgegen der allgemeinen Krisenstimmung und der Sorge um die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands und unserer Region, Perspektiven zu einer positiven Entwicklung aufzuzeigen. Diese Perspektiven werden auch von Berufsverbänden, Kammern und nicht zuletzt von statistischen Ämtern aufgezeigt, sie sollten aufmerksam wahrgenommen und auf die Bedingungen unserer Heimatregion angepasst werden.

Als eine der beiden Organisatorinnen führte Rebecca Opluschtil durch die Veranstaltung und hob dabei genau diesen Anspruch der Veranstaltung hervor: Es gibt bereits mehr interessante Lösungen und Projekte zur Transformation der regionalen Wirtschaft, als man landläufig glaubt und man sollte auch in anderer Art und Weise mit ihnen umgehen, als man es üblicherweise macht. Wir sollten von anderen Regionen und Bundesländern lernen in dem wir die dort entwickelten Instrumente uns genauer ansehen und sie dann zuschneiden auf unsere Gegebenheiten.

Der zweite Organisator der Veranstaltung, Dr. Michael Mangold, stellte in einem Kurzvortrag drei Kernaussagen ins Zentrum: 

(1) Wir befinden uns als Gemeinde in einer Art Zwischenlage – in der Raumwissenschaft nennt man dies „verdichtete Randzone“. Dies weist Vorteile des ländlichen Raums und zugleich auch Vorteile städtischer Verdichtung auf: Die Verständigung läuft schneller als in urbanen Zentren, viele Kontakte können informell geknüpft werden, sie benötigen daher weniger Bürokratie als im urbanen Kontext. Der Zugang zur Verwaltung ist direkter und entsprechend können Entscheidungen schnell vorbereitet und getroffen werden. Auch die Beziehung zwischen Gründern und Banken, Sparkassen, private Investoren und Stiftungen sind in dieser verdichteten Randzone weniger formal geregelt, man verfügt über direktere Kontakte gegenüber Kapitalgebern. Und nicht zuletzt gibt es ein attraktives Umfeld und die hohe Lebensqualität im Grünen: „Dort arbeiten, wo andere Urlaub machen!“

(2) Weiterhin geht es darum herauszufinden, welche Ressourcen die Region erschließen kann bzw. bereits vorhanden sind, aber bislang nicht für die Stärkung der regionalen Wirtschaft eingesetzt wurden. Zu diesen Ressourcen zählen u.a. Verwaltungskompetenz, Bildung, Infrastruktur, Fachkräfte und Freiflächen. Der frühere Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, war als Redner für dieses Thema vorgesehen, ist jedoch leider kurzfristig erkrankt. Durch die Vorabsprachen mit ihm ist uns jedoch bekannt, was er im Kern uns berichtet hätte: Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz hatte seinerzeit nach dem Fall der Mauer die schwierige Transformation ganzer Regionen zu bewerkstelligen. Über 600 militärische Liegenschaften wurden aufgegeben und daher drohte zahlreichen Betrieben die Insolvenz und der Abbau von Arbeitsplätzen. Die anschließende Umwandlung der militärischen Struktur wurde schließlich erfolgreich bewältigt, auch weil die Landesregierung mit Verwaltungskompetenz Gründer und bestehende Unternehmen unterstützte. Jeder der bereits einmal eine GmbH gegründet oder Fördermittel von der EU beantragt hat, weiß was hier Unterstützung bedeutet. Die Kompetenz einer Verwaltung ist daher durchaus eine eigene Ressource, die man auch einsetzen kann zur Transformation einer Region. Im Grundsatz geht es darum überhaupt eine Übersicht zu schaffen und sich zu vergegenwärtigen, welche Möglichkeiten der Gemeinde bzw. der Region zur Verfügung stehen und welche Ideen daraus entwickelt werden können, um eine Veränderung zu gestalten.

(3) Damit ist bereits das Stichwort zur dritten Kernaussage gefallen und die Überleitung geschaffen, denn es geht um Ideen! Prof. Hochmuth hatte bereits im Veranstaltungsteil für Experten über Beispiele und Projekte aus Karlsruhe und der Umgebung berichtet. Derartige Projekte und die ihnen zugrundeliegenden Ideen sind für uns der wohl wichtigste Nährstoff! Daher ein paar grundsätzliche Gedanken: Der in diesem Sommer verstorbene Philosoph Jürgen Habermas sprach im Zusammenhang mit der Öffentlichkeit oft von einem „kreativen Überschuss“. Damit verwies er darauf, dass Ideen nicht dazu dienen unmittelbar umgesetzt zu werden, sondern ihre Fülle, ihr Überschuss erforderlich ist, damit in der Öffentlichkeit Entscheidungen getroffen werden können über ihre Auswahl. Die Öffentlichkeit ist daher nicht vorrangig Publikum, dem eine fertige Lösung präsentiert wird, sondern Mitgestalter, das ist die dritte Kernaussage für den behandelten Themenbereich „regionale Wirtschaft fördern!“. Dieser Grundsatz gilt allgemein für zukunftsorientierte, in der Bevölkerung verankerte Vorhaben. Ideen und Konzepte müssen reifen können, sie benötigen ein günstiges Umfeld dafür, eine Art Inkubator, eine Schutzzone in der kein kalter Wind bläst. Unserer Heimatregion ist durchaus günstig für die Entwicklung von Ideen und Konzepten und ist per se eine Art Schutzzone. Daher war der Tenor der Veranstaltung auch begründet: Ideen und Projekte sollen anregen zur eigenständigen Bewältigung der Veränderungen. Dazu beizutragen Dinge in Bewegung zu setzen, Probleme zu lösen und dadurch die Gegebenheiten der eigenen Heimat zu gestalten ist dabei vielleicht auch die schönste Bürgerpflicht.

Für die SPD: Dr. Michael Mangold

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